Niels Klims unterirdische Reise – anno 1665
von Ludvig Holberg
15.02.2026 19 min
Zusammenfassung & Show Notes
Kapitel 1
Des Verfassers Hinabfahrt in die untersten Orte der Erde
Niels Klims unterirdische Reise ist ein satirischer Roman von Ludvig Holberg aus dem 18. Jahrhundert.
Des Verfassers Hinabfahrt in die untersten Orte der Erde
Niels Klims unterirdische Reise ist ein satirischer Roman von Ludvig Holberg aus dem 18. Jahrhundert.
Dieser Podcast versammelt das vollständige, ungekürzte Hörbuch in deutscher Sprache.
Kapitel für Kapitel entfaltet sich eine Reise durch fremde Ordnungen und vertraute menschliche Eigenheiten – ruhig gelesen, ohne Eile.
Kapitel für Kapitel entfaltet sich eine Reise durch fremde Ordnungen und vertraute menschliche Eigenheiten – ruhig gelesen, ohne Eile.
Musik:
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Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 (CC BY 3.0)
https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/
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Transkript
1. KAPITEL
Des Verfassers Hinabfahrt in die untersten Orte der Erde
Nachdem ich im Jahr 1664 auf der Hohen Schule
in Kopenhagen beide Examina ausgestanden und
mir sowohl von der philosophischen als auch von
der theologischen Fakultät, meiner Gelehrsamkeit
und meines Wohlverhaltens wegen, glaubwürdige
Zeugnisse erteilt worden waren, machte ich mich
zur Rückreise in mein Vaterland bereit, und stieg,
zwar mit Zeugnissen von beiden Fakultäten, aber
mit wenig Geld versehen, auf ein Schiff, das mich
nach Bergen in Norwegen segeln sollte. Ich teilte
also das Schicksal anderer norwegischer Studiosi,
die gewöhnlich ohne Geld von der Hohen Schule in
ihr Vaterland zurückkehren. Wir hatten guten Wind
und nach einer Schifffahrt von 6 Tagen liefen
wir glücklich in den Hafen von Bergen ein. Ich
kam also zwar gelehrter, aber nicht reicher in
mein Vaterland zurück, und da mir Freunde und
Verwandte aus Gutwilligkeit den nötigen Unterhalt
reichten, lebte ich zwar auf ihre Kosten, doch
nicht faul und nachlässig: Denn ich durchkroch
und durchsuchte alle Winkel meines Vaterlands,
um die Naturlehre, in der ich unterrichtet worden
war, mit neuen Entdeckungen zu erläutern und
die Beschaffenheit sowohl des flachen Landes als
auch der Berge und was sie wohl in sich verborgen
hielten, zu erfahren suchte. Kein Fels war so
hoch, dass ich nicht auf ihn kletterte, und keine
Höhle so tief und grausam, dass ich mich nicht
doch hineinwagte, um zu sehen, ob ich vielleicht
etwas Besonderes entdecken könnte, oder jedenfalls
etwas, was einer physikalischen Untersuchung wert
wäre. Denn es gibt viele Dinge in unserem
Vaterland, die wir weder sehen noch hören,
und die doch genauso wie in Frankreich, Italien,
Deutschland oder in anderen Ländern mit mancherlei
Seltenheiten angefüllt sind. Unter anderen
Dingen, die mir besonders merkwürdig schienen,
gab es auf dem Gipfel eines hohen Berges, den
die Eingeborenen des Landes Floejen nennen,
eine Höhle, die eine große jähe Kluft zum Eingang
hatte. Und da diese Höhle durch ihre Öffnung zu
gewissen Zeiten eine gelinde und nicht unangenehme
Luft von sich blies, und zwar so, dass es schien,
als wenn sie gleichsam durch häufiges Schlucken
den Rachen bald auf, bald aber wieder zu täte,
so hielten mich die Gelehrten in Bergen, vor allem
der berühmte Abelin und der Konrektor der Schule
dort, Magister Eduard, der in der Stern- und
Naturlehre besonders erfahren war, des Öfteren an,
die Beschaffenheit der Höhle genauer zu
untersuchen, da sie es selber ihres Alters wegen
nicht konnten. Nachdem ich nun auf diese Weise,
ob- wohl ich schon selbst Lust dazu verspürte,
noch mehr angereizt wurde, so nahm ich mir vor,
mich in diese Höhle hinunter zu begeben, und
ließ dies meine guten Freunde wissen. Aber mein
Vorhaben gefiel ihnen nicht, sie sagten vielmehr,
das wäre die Unternehmung eines verwegenen und
närrischen Menschen. Dennoch konnten sie meine
Neugier durch ihre Ermahnungen keineswegs
schwächen, viel weniger unterdrücken. Ja,
was mei- ne Begierde hätte dämpfen sollen, das
flammte den verderbten Sinn nur von neuem an.
Denn die heftige Begierde, merkwürdige Dinge
in der Natur zu entdecken, trieb mich an,
keine Gefahr zu scheuen, und da ich überdies zu
Hause nicht viel zu beißen und zu brocken hatte,
so frischte auch das mein ohnehin dar- auf
begieriges Gemüt noch immer mehr an. Mein
Vermögen war erschöpft und es schien mir allzu
hart und beschwerlich, noch länger auf anderer
Leute Kosten in meinem Vaterland zu leben, da mir
klar wurde, dass mir alle Hoffnung, emporzukom-
men, abgeschnitten, und ich sozusagen zu einem
beständigen Bettlerleben verdammt war, ja dass mir
der Weg, etwa zu einer Ehrenstelle zu gelangen,
verschlossen bleiben würde, wenn ich mich nicht
durch ein besonders kühnes Unterfangen hervortäte.
Nachdem ich mir nochmals fest vorgenommen hatte,
auf meinem Vorsatz zu beharren, und alle nötigen
Anstalten getroffen hatte, ging ich an einem
Donnerstag, als der Himmel heiter und hell war,
kurz nach der Morgendämmerung aus der Stadt,
damit ich nach vollbrachtem Unternehmen noch
bei Tag wieder in die Stadt zurückkehren könnte,
denn ich konnte natürlich nicht vorhersehen, dass
ich wie ein neuer Phaeton in die Tiefe fahren und
durch einen langen Weg in der Luft in eine andere
Welt versetzt werden würde, aus der ich nicht
eher, als bis ich 10 Jahre darin herumgeirrt sein
würde, wieder in mein Vaterland zu meinen früheren
Freunden zurückkommen sollte. Es geschah
dies Unternehmen im Jahr 1665, als Johannes
Munthe und Laurentius Severin Bürgermeister,
Christiern Berthold und Laurentius Scandius
Ratsherren waren. Ich nahm mir vier Tagelöhner
mit, die für mich Stricke und Hacken trugen,
die für das Hinablassen in die Höhle erforderlich
waren. Wir gingen geradewegs auf Sandwik los, von
wo man den Berg am bequemsten ersteigen konnte.
Als wir auf den Gipfel des Berges kamen und an dem
Ort angelangt waren, wo die unglückliche Höhle
sich auftat, setzten wir uns dort ein wenig
nieder, um ein Frühstück einzunehmen, weil wir von
der Reise ziemlich erschöpft waren. Damals aber
begann mein Herz rechtschaffen zu pochen, weil ich
mein bevorstehendes Unglück ahnte: Ich wandte mich
deshalb an meine Gefährten und fragte sie: »Nun,
wer will sich zuerst hinunterlassen?« Da mir aber
keiner antwortete, wurde meine etwas gedämpfte
Neugierde wieder aufs Neue rege. Ich befahl,
mich an einem Seil festzumachen, und nachdem
ich mich zu meiner Reise gesammelt hatte,
befahl ich Gott meine Seele. Meine Gefährten aber
wies ich an, wie sie sich zu verhalten hatten,
wenn sie mich in die Höhle hinabließen. Sie
sollten nämlich das Seil so lange laufen lassen,
bis sie mich rufen hörten. Dann sollten sie an-
halten, und wenn ich immer noch riefe, sollten sie
mich wieder aus der Höhle herausziehen. Ich selbst
nahm eine Hacke in die Hand, die ich dazu benutzen
wollte, Hindernisse, die mir beim Hinabgleiten in
die Quere kommen könnten, aus dem Weg zu räumen.
Aber ich war kaum 10 oder 12 Ellen hinunter, da
riss das Seil, an dem ich festgemacht war. Dieses
Unglück schloss ich aus dem Geschrei und Geheul
der Tagelöhner, das aber bald verschwand. Denn ich
fuhr mit einer wundersamen Geschwindigkeit hinab
wie ein zweiter Pluto, nur dass ich statt des
Zepters eine Hacke in der Hand hatte. Nachdem ich
ungefähr eine Viertelstunde, so viel ich in meiner
Bestürzung vermuten konnte, in tiefster Finsternis
und beständiger Nacht zugebracht hatte, schimmerte
endlich ein schwaches Licht wie in der Dämmerung;
kurz darauf aber erblickte ich einen heiteren
und hellen Himmel. Ich dachte daher anfangs,
obzwar ganz töricht, dass ich entweder durch
den Zurückprall der unterirdischen Luft oder durch
die Gewalt eines Gegenwinds zurückgeworfen worden
sei und dass die Höhle durch den Zurückprall der
in ihr enthaltenen Luft mich wieder auf die Erde
ausgespien hätte. Aber weder die Sonne, die ich
damals sah, noch der Himmel, noch die übrigen
Gestirne kamen mir bekannt vor, da sie inzwischen
viel kleiner waren als diejenigen, die wir von
unserer Erde sehen. Ich glaubte deshalb, das
Gebäude dieses neuen Himmels bestehe entweder bloß
in meiner Einbildung, die mir durch den Schwindel
verursacht worden, oder ich bildete mir ein, ich
wäre gestorben und in die Wohnungen der Seligen
versetzt wor- den. Diese letzte Meinung verwarf
ich deshalb wieder, da ich gewahr wurde, dass
ich noch mit meiner Hacke bewaffnet war und einen
langen Schweif von dem zerrissenen Seil hinter mir
herschleppte, und ich wusste wohl, dass man weder
Seil noch Hacke benötigt, wenn man ins Paradies
eingehen will. Zugleich vermutete ich, dass
mein Aufzug den Einwohnern des Himmels keineswegs
gefallen würde, da es schien, als wollte ich nach
Art der Titane den Olymp mit Gewalt stürmen und
die Götter von dannen treiben. Endlich aber,
nachdem ich die Sache genauer überlegte, urteilte
ich, ich müsse in den unterirdischen Himmel
versetzt worden sein, und diejenigen hätten
tatsächlich recht, die behaupten, die Erde sei
inwendig hohl und innerhalb ihrer Schale seien
noch eine andere kleinere Erde und ein anderer
Himmel, an dem sich eine kleine Sonne, Gestirne
und Planeten befänden. Der Ausgang hat gelehrt,
dass ich das rechte Fleckchen getroffen hatte.
Die Heftigkeit, mit der ich bisher in die Tiefe
gefahren, hatte lange Zeit gedauert, bis ich
nun endlich merkte, dass sie etwas nachließ,
und zwar um so mehr, je näher ich dem Planeten
oder jenem gewissen Himmelskörper kam, der mir
auf meiner Hinabfahrt als erstes begegnete. Dieser
Planet wurde vor meinen Augen nach und nach immer
größer, sodass ich schließlich, obzwar durch einen
ziemlich dicken Dunstkreis, der ihn umgab, Berge,
Täler und Meere ohne Schwierigkeit unterscheiden
konnte. Ich befand mich hier zwischen Himmel und
Erde etwa wie ein Vogel, der ganz niedrig am Ufer
des Meeres oder um fischreiche Weiher umherfliegt.
Denn ich wurde gewahr, dass ich nicht nur in
der Höhe in einer himmlischen Luft herumschwamm,
sondern dass auch mein Weg, der bisher senkrecht
hinabgegangen war, sich nun in einen Wirbel
veränderte. Mir standen daher alle Haare zu
Berge, denn ich fürchtete, ich könnte vielleicht
gar in einen Planeten, oder wenigstens in einen
Trabanten des nächsten Planeten verwandelt und
also ewig in einem Wirbel herumgedreht werden.
Doch da ich mir bei mir selbst überlegte,
dass meinem Ansehen durch diese Verwandlung wenig
abgehen würde, und dass es zum wenigstens ebenso
viel zu bedeuten hätte, ein Himmelskörper oder der
Trabant eines Planeten zu sein, wie einen armen
Menschen darzustellen, der sich der Weltweisheit
befleißigt, da fasste ich mir wieder ein Herz,
zumal ich spürte, dass mich in dieser reinen und
himmlischen Luft, in der ich herumschwamm, weder
hungerte noch dürstete. Da mir aber gleichwohl
einfiel, dass ich in meiner Tasche ein Brötchen
hatte (in Bergen nennt man es Bolken und das sind
ovale oder länglich-runde Brötchen), beschloss
ich, es hervorzuholen und zu versuchen, wie es mir
in meinem jetzigen Zustand schmecken würde. Aber
als ich den ersten Bissen hineintat, empfand ich,
dass mir vor aller irdischen Speise ekelte. Daher
warf ich es als eine gänzlich unnütze Sache weg.
Aber o Wunder! Das Weggeworfene blieb nicht nur in
der Luft schweben, sondern fing an, sich in einem
kleinen Kreis um mich herumzubewegen. Und hier
wurden mir die wahren Gesetze der Bewegung
bekannt. Dass nämlich alle Körper, die im
Gleichgewicht stehen, eine kreisförmige Bewegung
bekommen. Und jetzt fing ich an, vor Hochmut fast
aufzuschwellen, nachdem ich mich kurz vorher
noch als einen Spott des Glücks beweint hatte,
denn jetzt sah ich mich nicht nur als einen
bloßen Planeten an, sondern als einen Irrstern,
der beständig mit einem Planeten umgeben sein
würde, sodass ich gewiss unter die großen Sterne
oder unter die Planeten erster Ordnung gerechnet
werden würde. Und damit ich meine Schwachheit
nur offenherzig bekenne: Es nahm mich damals ein
so großer Hochmut ein, dass, wenn mir auch alle
Bürgermeister und Ratsherren aus Bergen begegnet
wären, ich sie nur über die Achsel angesehen,
als Sonnenstäubchen ästimiert und sie schwerlich
eines Grußes gewürdigt hätte. Fast 3 ganze Tage
blieb ich in diesen Umständen, denn da ich ohne
Unterlass um den Planeten, der mir am nächsten
war, herumgetrieben wurde, konnte ich zwar Tag und
Nacht von- einander unterscheiden, ja ich sah die
unterirdische Sonne auf- und wieder untergehen,
obwohl ich dabei keine solche Nacht, wie sie
bei uns zu sein pflegt, wahrnahm; denn wenn die
Sonne unterging, war das Firmament doch noch über
und über hell, aber purpurfarben anzusehen, und es
war noch so viel Licht, als wenn der Mond schiene,
und ich hielt dafür, dass die innere Fläche
oder die Halbkugel der unterirdischen Erde,
die das Licht von der unterirdischen Sonne
entlehnte, diesen Schein verursachte. Diesen
willkürlichen Satz nahm ich darum an, weil ich in
der Naturlehre des Himmels nicht ganz unerfahren
war. Aber während ich mich noch in dieser
Glückseligkeit den Göttern gleich fühlte und
mich als ein neues Gestirn am Himmel betrachtete,
das nebst seinem Trabanten, der mich um- gab,
von den Astronomen des nächsten Planeten unter die
Zahl der Sterne gerechnet werden würde: Siehe da,
es erschien ein grausames geflügeltes Ungeheuer,
das bald zur Rechten, bald zur Linken, bald vorn,
bald hinten um mich herumschwebte. Anfangs glaubte
ich, es sei eines von den zwölf unterirdischen
Zeichen des Tierkreises, und wünschte daher, wenn
das wahr wäre, dass es die Jungfrau sein möge,
weil sie von allen zwölf Himmelszeichen allein
vermögend wäre, mir in dieser Einsamkeit mit etwas
Hilfe und Trost beizustehen. Als mir aber das
Ungeheuer immer näher kam, sah ich, dass es ein
hässlicher und grausamer Greif war. Hierüber war
ich dermaßen bestürzt, dass ich meiner selbst und
meiner hohen Würde, die ich als Gestirn erst so
kürzlich erhalten, gänzlich vergaß und in dieser
Angst mein Zeugnis, das ich von der Hohen Schule
erhalten hatte und bei mir trug, aus meiner Tasche
hervorlangte und meinem herannahenden Widersacher
zeigen wollte, dass ich meine akademischen Examina
ausgestanden, dass ich ein Studiosus sei, und
zwar ein Bakkalaureus, der sich vor jedem fremden
Angriff damit schützen könnte. Wenn jemand etwas
gegen ihn hätte, so könnte seine Sache vor keinem
fremden Richter ausgemacht werden, sondern
müsste an die zuständige Obrigkeit verwiesen
werden. Nachdem aber der erste Schrecken vorbei
war, und ich wieder ein wenig zu mir selber kam,
musste ich über meine Torheit lachen. Es war
unklar, warum mich dieser Greif begleitete,
ob er als Freund oder als Feind kam, oder – was
mir am wahrscheinlichsten schien – ob ihn nicht
nur die bloße Neugier antrieb, mir näher zu
kommen und seine Augen an mir zu weiden. Denn
einen menschlichen Körper, der eine Hacke in
der Hand hat und ein langes Stück Seil statt
eines Schwanzes nach sich zieht, in der Luft
herumschweben zu sehen, war eine himmlische
Erscheinung, die jedes unvernünftige Tier
heranlocken könnte. Das ungewöhnliche Bild,
das ich damals vorstellte, hatte den Einwohnern
des Planeten, um den ich herumbewegt wurde,
wie ich später hörte, zu allerhand Gesprächen und
Mutmaßungen Anlass gegeben, denn die Gelehrten
und Mathematiker hielten mich für einen Kometen
und das Seil für dessen Schwanz. Ja, es hatte
einige gegeben, die aus diesem ungewöhnlichen
Luftzeichen ein bevorstehendes Unglück, Pest,
Hunger oder eine andere große Veränderung
voraussehen wollten. Einige waren noch weiter
gegangen und hatten mich, als ich von weitem näher
kam, aufs Sorgfältigste abgemalt, dass ich – ehe
ich noch auf den Planeten selber kam – schon
beschrieben, ausgemessen, abgemalt und in Kupfer
gestochen war. Das alles konnte ich nicht anders
als mit Lachen und mit einigem Vergnügen hören,
nachdem ich auf diese Erde gekommen war und
die unterirdische Sprache erlernt hatte.
Hier ist anzumerken, dass es auch einige schnelle
Gestirne gibt, die von den unterirdischen
Einwohnern Skisi oder Haarige genannt werden, von
denen sie sagen, dass sie schrecklich anzusehen
seien, blutfarbene Haare hätten, die auf dem
Scheitel wie Stacheln in die Höhe stünden,
vorne aber als langer Bart herabhingen. Daher
werden sie wie auf unserer Erde für Wunderzeichen
gehalten. Doch dass ich wieder ins Gleis
komme: Der Greif war mir nun so nah gekommen,
dass er mich durch das Flattern seiner Flügel
bereits inkommodierte. Ja, er scheute sich nicht,
sogar in meine Schienbeine zu hacken, woraus
ich deutlich entnehmen konnte, wie hoch er mich
als einen neuen Gast verehrte. Ich begann, diesem
streitbaren Tier mit gewaffneter Hand zu begegnen,
ich nahm meine Hacke in beide Hände und
tat der Verwegenheit meines Feindes so
nachdrücklich Einhalt, dass er öfters sein Heil
in der Flucht suchte. Endlich aber, da er gar
nicht mehr von mir ablassen wollte, versetzte ich
ihm, nachdem ich etliche Fehlstreiche getan hatte,
mit meiner Hacke einen dermaßen heftigen Streich
zwischen beide Flügel in den Rücken, dass ich sie
nicht wieder herausziehen konnte. Darauf fing
der verwundete Vogel an, erbärmlich zu schreien
und fiel jählings auf den Planeten hinunter. Ich
aber, der ich meiner neuen Würde unter den Sternen
schon überdrüssig war, weil ich sah, dass sie
allerhand Zufällen und Gefahren, wie es gewöhnlich
zu geschehen, unterworfen wäre, ließ mich mit dem
Vogel zugleich fortreißen und fiel also zusammen
mit ihm, wo uns der ungestüme Fall hinführte, bis
wir endlich, nachdem es lange genug gewährt hatte,
auf die Erde fielen, wie etwa ein fallender Stern,
der zwar nicht wirklich fällt, gleichwohl aber auf
die Erde zu fallen scheint. Auf diese Weise wurde
meine bisherige kreisförmige Bewegung wiederum in
eine senkrechte verwandelt. Unter fortwährendem
Fallen, das durch die mir widerstehende dicke Luft
dennoch sehr schnell geschah, verursachte diese
ein heftiges Sausen oder Getön in meinen Ohren und
nach einer langen Weile tat ich endlich mitsamt
dem Vogel einen ganz sanften und unschädlichen
Fall auf die Erde. Der Vogel starb kurz darauf.
Es war Nacht, als ich auf dem Plane- ten landete,
was ich bloß aus der Abwesenheit der Sonne,
nicht aber aus der Finsternis schließen konnte;
denn es war noch so hell, dass ich mein
akademisches Zeugnis ganz deutlich lesen
konnte. Dieses nächtliche Licht entsteht aus dem
Firmament oder, besser gesagt, aus der inneren
harten Rinde der Erde, deren Hälfte einen Schein
von sich gibt, wie bei uns etwa der Mond. Wenn
man also hier bloß vom Licht ausgehen wollte, so
unterscheiden sich die Nächte in nichts weiter
von den Tagen, als dass die Sonne nicht da ist
und dass deshalb die Nächte etwas kälter sind.