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Hörbücher zum Nachdenken

Niels Klims unterirdische Reise – anno 1665

von Ludvig Holberg

08.04.2026 20 min

Zusammenfassung & Show Notes

Kapitel 15
Rasche Veränderung und getrübter Ausgang

Niels Klims unterirdische Reise
ist ein satirischer Roman von Ludvig Holberg aus dem 18. Jahrhundert.
Dieser Podcast versammelt das vollständige, ungekürzte Hörbuch in deutscher Sprache.
Kapitel für Kapitel entfaltet sich eine Reise durch fremde Ordnungen und vertraute menschliche Eigenheiten – ruhig gelesen, ohne Eile.

Musik:
EGLAIR – Alex-Productions
https://onsound.eu/
Musik bereitgestellt von free-stock-music.com
Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 (CC BY 3.0)
https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/

Transkript

15. KAPITEL Rasche Veränderung und getrübter Ausgang Nachdem ich nun so viele und erstaunliche Dinge ausgerichtet hatte, und unsere Flotte durch den Zuwachs der martinianischen Schiffe ungemein vermehrt worden war, so segelten wir wieder nach unserem Vaterland zurück, wo wir nach unserer Ankunft mit der größten Pracht unseren triumphierenden Einzug hielten, sodass wohl schwerlich jemals ein römischer Triumph so prächtig gewesen sein wird. Und es konnte in Ansehung so vieler erstaunlicher Dinge auch in der Tat keine Pracht so groß sein oder übertrieben werden. Denn was ist wohl vortrefflicher und dem wahren Helden anständiger, als ein noch vor kurzem so verachtetes Volk, an das sich ein jedes reiben wollte, in so kurzer Zeit zur Königin und Beherrscherin der ganzen Welt zu machen? Was konnte mir, als einem Menschen, der unter so mancherlei ungleichen Kreaturen lebte, wohl rühmlicher sein, als dass ich diejenige Herrschaft, welche die Natur den Menschen über die übrigen Tiere erteilt, und welche sie verloren hatten, wiederherstellte? Die ausnehmende Pracht und Herrlichkeit dieses Triumphs, der Zulauf des Volks und die Freudenbezeugungen aller Menschen, von jedem Stand und Alter, womit ich empfangen wurde, würden kaum in einem eigenen Werk, viel weniger hier in der Kürze, nach Würden beschrieben werden können. Von dieser Zeit an kann in den Historien eine neue Jahresrechnung anfangen und fünf Monarchien gezählt werden, die assyrische, persische, griechische, römische und die unterirdische quamitische Monarchie. Mir scheint diese letztere die ersteren an Größe und Macht weit zu übertreffen. Ich konnte daher auch den Titel Koblu, oder des Großen, nicht ausschlagen, den mir sowohl die Quamiten, als auch die überwundenen Völker um die Wette beilegten. Ich muss gestehen, dass dies ein sehr hoher und stolzer Beiname war, wenn man »Groß« betitelt wird. Wenn aber die Alten, die dieses Beiwort auch erhalten, wie Alexander, Pompejus und Cäsar, mit Klim verglichen werden sollten, so würden sie gegen mich nur als kleine Lichter anzusehen sein. Alexander hat zwar die Morgenländer bezwungen, aber mit was für Soldaten? Mit lauter alten, erprobten und durch die Kriegsstrapazen abgehärteten Leuten, wie die Mazedonier zu den Zeiten seines Vaters Philipp. Ich aber habe weit mehr und grausamere Völker, als die Perser waren, in weniger Zeit als er überwunden und meinem Reich unterwürfig gemacht, und dies mit so einem Volk, das vor kurzem noch in der größten Unwissenheit steckte, und das ich selber erst hatte unterrichten müssen. Der Titel, dessen ich mich von der Zeit an bediente, lautete so: Nikolaus der Große, Gesandter der Sonne, Kaiser von Quama und Mezendorien, König in Tanachis, Alectorien, Arctonien, desgleichen in den mezendorischen und martinianischen Königreichen, Großherzog in Kispucien, Herr in Martinia, Canaliska usw. Nun hatte ich mein Königreich befestigt und es schien, dass ich durch mein Elend vollkommen glücklich geworden wäre. Aber man muss immer erst den Ausgang abwarten und niemanden vor seinem Ende glücklich preisen. Denn als ich zur höchsten Glückseligkeit und Macht gelangt war, die sich nur jemals ein Mensch einbilden und wünschen konnte, so ging mir’s ebenso wie anderen, die aus dem Staub und der Asche hervorgezogen und zu den höchsten Ehren erhoben worden waren. Denn jetzt dachte ich nicht mehr an meine früheren elenden Umstände, sondern ich wurde stolz und aufgeblasen, und anstatt dass ich meine Untertanen hätte lieben und mit Gelindigkeit regieren sollen, fing ich an, mich gegen alle Stände grausam und blutrünstig zu bezeigen. Die Untertanen, die ich mir bisher durch Leutseligkeit und freundliches Wesen verbunden gemacht hatte, sah ich nun als leibeigene Knechte und Sklaven an, dermaßen, dass niemand vor mich gelassen wurde, wenn er nicht vorher gleichsam fußfällig darum angehalten hatte, und wenn endlich doch jemand vor mich kam, so sah ich ihn kaum über die Achsel an, was die Gemüter in kurzem durchgängig von mir abwendete, und die bisherige Liebe in Kaltsinnigkeit und Furcht verwandelte. Wie die Gemüter meiner Untertanen damals gegen mich gesinnt gewesen sein müssen, konnte ich aus einer Bitte, oder vielmehr aus einem Befehl, ablesen, den ich in ein quamitisches Patent hatte einrücken lassen. Ich hatte die Kaiserin bei meiner Abreise schwanger verlassen, und sie war in meiner Abwesenheit von einem Prinzen entbunden worden. Diesen Prinzen wollte ich nun gern zu meinem Nachfolger erklären. Ich schrieb daher einen Reichstag aus und lud die Quamiten, nebst den Großen aller überwundenen Völker, zu der öffentlichen Krönung dieses Prinzen ein. Nun unterstand sich zwar niemand, meinem Befehl ungehorsam zu sein, und die Krönung wurde mit der größten Pracht vollzogen. Aber ich konnte gar leicht aus den Gesichtern meiner Untertanen lesen, dass alles nur ein verstelltes Wesen bei ihnen war und dass ihre Freudenbezeugungen nur zum Schein geschahen. Mein Argwohn wurde durch einige zu der Zeit umgehende Schimpfreden, wovon man aber doch die Urheber nicht wusste, noch mehr vermehrt, in denen man das Unrecht, das dem Prinzen Temuso durch diese Wahl und Krönung widerfahren war, aufs Bitterste durchzog. Das machte mich so bekümmert und so erbittert in meinem Gemüt, dass ich nicht eher ruhen konnte, bis ich diesen guten Prinzen aus dem Weg geräumt hatte. Doch schien es mir nicht ratsam, dass ich einen Sohn desjenigen Königs, der sich so sehr um mich verdient gemacht hatte, öffentlich umbringen lassen sollte. Ich erkaufte daher einige, die ihn des Hochverrats anklagen mussten. Und da es großen Herren niemals an Bedienten und Schmeichlern fehlt, wenn sie Laster begehen wollen, so fanden sich auch hier einige, die mit einem Eid beteuerten, dass der übelgesinnte Prinz auf Verräterei ausginge und mir nach dem Leben trachte. Ich hieß ihn daher ins Gefängnis werfen, und er wurde von den Richtern, die ich zum größten Teil bestochen hatte, zum Tod verurteilt. Doch wurde die Exekution nicht öffentlich, sondern ganz insgeheim im Gefängnis an ihm vollzogen, damit nicht etwa ein Aufruhr deswegen entstehen möchte. Was den anderen Prinzen anging, so hielt ich noch eine Zeit lang inne, ihn ebenfalls umzubringen, weil er noch minderjährig war. Er war also nur wegen seiner Jugend noch einige Zeit sicher, da er im Übrigen in Betrachtung des Rechts, sich keines Schutzes zu erfreuen hatte. Nachdem ich aber meine Hände einmal mit unschuldigem Blut besudelt hatte, fing ich dermaßen streng und grausam an zu regieren, dass ich wohl einige Quamiten als auch andere, die mir verdächtig vorkamen, erwürgen ließ. Ja, es verging fast kein Tag, an dem ich nicht Blut vergießen ließ, was die Rebellion um so viel mehr beschleunigte, mit der die Großen des Reichs schon lange schwanger gegangen, wie ich bald ausführlicher berichten werde. Ich muss daher gestehen, dass ich all das Unglück, das mir nachher begegnet ist, mehr als zu sehr verschuldet habe. Denn es hätte freilich einem christlichen Fürsten besser angestanden, und wäre für mich rühmlicher gewesen, wenn ich das unwissende und abergläubische Volk zur Erkenntnis Gottes geführt hätte, als dass ich einen Krieg nach dem andern anfing, meine Hände mit so vielem unschuldigen Blut befleckte. Ja, es würde mir nicht schwer gefallen sein, das ganze Volk umzukehren, denn was ich sagte, nahmen sie aufs Begierigste an, und mein Ausspruch wurde dermaßen respektiert, als wenn er vom Himmel geschehen wäre. Aber ich vergaß Gottes und meiner selber und hatte meine Gedanken auf sonst weiter nichts gerichtet, als auf eitle Pracht, und wie ich meine Gewalt immer mehr und mehr ausbreiten möchte. Mir schwebte nichts vor Augen als Waffen, Blut, Mord und Totschlag, Feuer und Krieg. Überdies verfiel ich auf viele schlimme, ja die ärgerlichsten Anschläge, und wollte lieber die Gelegenheit zum Widerwillen vermehren, als vermindern, als wenn ich gleichsam durch Grausamkeit wiedergutmachen könnte, was ich durch Ungerechtigkeit verdorben hatte. Wenn mich gute Freunde daran erinnerten, so gab ich ihnen zur Antwort, die gegenwärtigen und misslichen Umstände und die neue Regierung zwingen mich, solche Dinge vorzunehmen. Es gesellten sich daher zu einem Übel noch unzählige andere mehr, und ich geriet endlich in so elende Umstände, dass alle Sterblichen an meinem Beispiel lernen möchten, was für ein veränderliches Ding es um der Menschen Glück sei, und wie so kurze Zeit eine harte und gewaltsame Regierung dauern könne. Je strenger und grausamer ich nun anfing zu regieren, desto mehr nahm die Kaltsinnigkeit meiner Untertanen zu, und zwar nicht nur bei den Quamiten, sondern auch bei den anderen überwundenen Völkern, und da sie wahrnahmen, dass die Laster, denen ich ergeben war, sich zu meiner göttlichen Herkunft nicht reimten, und einem himmlischen Menschen oder einem Gesandten der Sonne nicht im Geringsten anstünden, so fingen sie an, alles genauer zu untersuchen, insbesondere aber die Ursache meiner Ankunft und die Umstände, in denen sie mich angetroffen hatten, als ich in diese Gegend gelangt war. Sie sahen nun ein, dass die erstaunlichen Dinge, die ich bisher verrichtet hatte, mehr von der Unwissenheit der Quamiten als meiner Kunst herrührten, zumal da sie befanden, dass ich in vielen Dingen geirrt habe, denn die Wolke der Unwissenheit hatte sich bereits ziemlich aus ihren Augen verloren. Insbesondere aber hatten die Kispucianer, als ein verschlagenes und scharfsinniges Volk, genau auf alles Acht gegeben, was ich begonnen hatte. Sie hatten bemerkt, dass unter den Befehlen, die ich hatte ergehen lassen, einige dermaßen abgeschmackt und ungereimt herausgekommen waren, dass ich meine große Unwissenheit in politischen Dingen allzu deutlich verraten hatte. Ihr Urteil war auch nicht unrecht: Denn da sich meine Lehrmeister nimmermehr hätten träumen lassen, dass ich einen Thron besteigen und das Zepter führen würde, so hatten sie mir vielmehr nur solche Unterweisungen gegeben, die sich etwa für einen künftigen Kirchendiener oder Kaplan schickten, als die für einen regierenden Fürsten gehörigen. Und meine Studien, die sich etwa über ein theologisches Lehrgebäude oder einige metaphysische Kunstwörter nicht erstreckten, schickten sich freilich blutschlecht für meine gegenwärtigen Umstände, nach denen ich zwei Kaisertümer und beinah 20 Königreiche zu regieren hatte. Die Martinianer hatten ferner bemerkt, dass die Kriegsschiffe, die ich hatte bauen lassen, dermaßen schlecht geraten waren, dass sie im Treffen mit einer ordentlichen Flotte gar nicht zu gebrauchen stünden und dass folglich die Siegeszeichen, die ich im Seegefecht davongetragen, einzig und allein der Erfindung des Geschützes zuzuschreiben waren. Diese und andere scharfe Beurteilungen breiteten sie so viel wie möglich aus, überlegten auch die Art und Weise meiner Ankunft an den quamitischen Ufern, dass ich nämlich an einem Stück von einem zerbrochenen Schiff gehangen, mit zerrissenen Kleidern, und fast vor Hunger und Durst verschmachtet gewesen war, von den Einwohnern des Ufers aufgefischt worden wäre, welche Umstände sich für einen Gesandten der Sonne nicht im Geringsten eigneten. Hierzu kam noch, dass die Martinianer, die sich auf die Himmelslehre sehr gut verstanden, einige astronomische Grundsätze unter den Quamiten bekannt machten und darin zeigten, dass die Sonne ein unbelebter Körper sei, der vom allmächtigen Gott mitten in den Himmel gesetzt worden war, dass er alles licht machen und durch seine Hitze die Kreaturen erwärmen sollte. Und weil er feuriger Natur sei, könnten unmöglich irdische Kreaturen darauf wohnen. Mit diesen und anderen übelgesinnten Urteilen wurde ich alle Tage durchgezogen. Aber dies alles waren noch flüchtige Reden, denn es unterstand sich niemand, aus Furcht vor meiner Gewalt, öffentlich zu reden, oder seine Gedanken deutlich an den Tag zu legen. Ich wusste daher lange Zeit nicht, dass es mit dem Widerwillen meiner Untertanen schon so weit gekommen war, dass sie mir die Regierung streitig zu machen gesonnen waren, bis mir endlich ein gewisses Büchelchen die Augen völlig auftat, das in canaliskischer Sprache geschrieben war und den Titel führte: Der glückliche Schiffbruch. Ich habe oben schon angemerkt, dass die Canalisker in der Ausstoßung von Schimpf- und Schmähreden ungemein geübt sind, weil ihre größten Kriege durch lauter Lästerungen geführt werden. In diesem Büchelchen waren all die Beschuldigungen enthalten, die ich bisher erzählt habe, und es war nach Art der Canalisker sehr spitzig und beißend abgefasst, weil sie in dieser Art zu schreiben vollkommene Meister sind. Aber ich konnte mich damals so wenig beherrschen, und ich setzte so großes Vertrauen auf meine Macht, dass ich mich durch keine Erinnerungen bewegen oder auf bessere Gedanken bringen ließ. Denn die heilsamsten Ratschläge dienten vielmehr zum Zunder, meine Grausamkeit immer mehr anzuflammen, als sie dadurch zu löschen. Ich hieß daher einige, auf die ich den stärksten Verdacht hatte, beim Kopf nehmen und sie aufs Grausamste martern, damit ich den Verfasser gedachter Schrift von ihnen herausbringen möchte. Aber sie standen die Marter alle mit der größten Standhaftigkeit aus, so dass ich also durch diese Grausamkeit weiter nichts ausrichtete, als dass sich der bisherige Hass in völlige Raserei verwandelte. Also überwog das Schicksal die heilsamen Ratschläge, und ich rannte freiwillig ins Verderben. Bei sogestalten Sachen beschloss ich, den noch übrigen Prinz Hikoba auch aus dem Weg zu räumen. Diesen Anschlag offenbarte ich dem Großkanzler Kalac, zu dem ich das beste Vertrauen hatte. Dieser versprach mir auch allen Beistand und willigen Gehorsam und ging alsbald hin, meinen Befehl zu vollstrecken. Aber er offenbarte dem Prinzen insgeheim, was ich vorhabe, dass ich ihm nach dem Leben trachtete und begab sich zugleich mit ihm in die festeste Zitadelle der Stadt, wo sie die Besatzung zusammenriefen und ihnen die gegenwärtigen Umstände aufs Rührendste vorstellten, und da die Tränen des jungen Prinzen den Reden noch mehr Gewicht gaben, so griffen sie alle zu den Waffen und sagten ihm zu, sie wollten für ihren Prinzen Gut und Blut wagen. Der schalkhafte Kanzler machte sich diese Gelegenheit sehr gut zu Nutze und ließ die Soldaten, weil sie noch in der ersten Hitze waren, dem Prinzen schwören. Ließ es auch anderen, von denen er wusste, dass sie übel mit mir zufrieden waren, alsbald insgeheim zu wissen tun, was vorginge und sie ermahnen, dass sie ebenfalls die Waffen gegen den Tyrannen ergreifen sollten, der den alten königlichen Stamm gänzlich zu vertilgen vorhabe. Es ergriff daher alles die Waffen, was meine Tyrannei verabscheute und sie fürchtete und machte mit der Besatzung gemeinsame Sache. Während ich nun auf die Rückkehr des Kanzlers wartete, breitete sich ein abscheuliches und fürchterliches Gerücht in der kaiserlichen Burg aus, es habe nämlich alles die Waffen ergriffen und sei in vollem Anmarsch, den Kaiser umzubringen. Damals redete mir Tomopolokus zu, ich solle mich nur beizeiten nach Tanachis zurückziehen und sagte: »Wohlan, wir wollen in meinem Vaterland eine Armee zusammenbringen, vielleicht legt sich indessen hier die Wut, wo jetzt alles in vollen Flammen steht.« Als ich dies hörte, war ich sehr unschlüssig in meinem Gemüt, weil Furcht und Hoffnung miteinander abwechselten. Endlich aber ließ ich doch seine Ermahnungen stattfinden und verließ Quama unverzüglich, da die wenigsten noch die Ursache von der überhand nehmenden Rebellion wussten. Als ich an der tanachitischen Grenze angelangt war, ließ ich alles aufbieten, was nur die Waffen führen konnte, und als ich eine Armee von 40.000 Mann, meistens Tanachiten, zusammengebracht hatte, marschierte ich wieder zurück und hoffte, die treu gebliebenen Quamiten würden zu mir stoßen und meine Armee um ein Ansehnliches vermehren. Aber ich fand mich in meiner Hoffnung betrogen und es kam mir, anstatt der Hilfsvölker, die ich törichterweise vermutet hatte, ein Herold mit einem Schreiben vom Prinzen entgegen. In diesem Brief kündigte er mir, als einem unrechtmäßigen und betrügerischen Besitzer seiner Reiche, einen rechtmäßigen Krieg an, wobei er mir zugleich meldete, dass meine Gemahlin nebst dem Prinzen, den sie von mir gezeugt hätte, gefänglich eingezogen seien. Kurz darauf, als der Herold seinen Rückweg wieder angetreten hatte, wurden wir der quamitischen Armee nebst ihrem rebellischen Prinzen ansichtig. Und weil diese Armee ungemein viele Geschütze mit sich führte, hielt ich es nicht für ratsam, mich in ein Treffen einzulassen, ehe ich mich verstärkt hätte. Ich machte deswegen Halt und verschanzte mein Lager aufs Beste. Als ich aber sah, dass meine Soldaten heimlich zu den Feinden übergingen und dass die feindlichen Truppen auf noch mehr Verstärkung warteten, so rieten meine Generale zum Treffen, denen auch Tomopolokus nicht widersprach. Die Schlacht geschah auf einer Ebene, auf der vor einigen Jahren die Tanachiten in einem Haupttreffen geschlagen worden waren. Unsere Glieder wurden durch das feindliche Geschütz bald getrennt, und es kränkte mich nichts mehr, als dass ich durch meine eigene Erfindung bestritten und durch das Gewehr, das ich selber verfertigen ließ, überwunden werden sollte. Eine Zeit lang hielten meine Soldaten zwar dem Angriff der Feinde tapfer aus, als aber ihr Feldherr Tomopolokus, der recht herzhaft kämpfte, durch eine Stückkugel sein Leben einbüßte, ergriffen sie die Flucht und versteckten sich in die Höhlen der Berge und in die dicksten Wälder. Ich selber zog mich auf einen hohen Felsen zurück und stürzte mich von ihm in das unten gelegene Tal. Hier blieb ich eine Weile stehen, verdammte mein Elend, oder vielmehr meine Torheit, mit allzu späten Seufzern und Tränen. Ich war damals so verwirrt in meinem Gemüt, dass ich auch die Krone, die mit Sonnenstrahlen verziert war, wegzuwerfen vergaß, die mich doch verriet. Nachdem ich beinah eine halbe Stunde in diesem Tal in Furcht und Zittern gesessen hatte, hörte ich die Feinde den Felsen hinaufklettern und mich mit vielem Getöse suchen, dass sie Rache an mir ausüben möchten. Ich sah mich daher nach der Flucht um und suchte einen Schlupfwinkel. Zu meinem Glück war nicht weit davon ein sehr dichter und fürchterlicher Steineichenwald, der mit vielen Dornhecken und Gesträuch durchwachsen war. Dahin eilte ich und gelangte auf vielen verborgenen und ungebahnten Wegen endlich zu einer Höhle, vor der ich ein wenig stehen blieb, damit ich nur Atem schöpfen und mich nach dem vielen Laufen wieder erholen möchte. Ich wartete aber nicht lange, so kroch ich wie eine Schlange auf meinem Bauch hinein, und da ich sah, dass diese Höhle sehr tief und abwärts hängend, aber nicht jählings tief sei, so beschloss ich, ihr Ende zu erforschen. Als ich aber etwa 100 Schritt zurückgelegt hatte, fiel ich jählings in ein tiefes Loch, von wo ich aber gleichsam wie vom Blitz sogleich wieder in die Höhe geführt und durch dicke Finsternis und beständige Nacht so lange fortgetrieben wurde, bis ich endlich ein schwaches Licht erblickte, was etwa mit der Morgendämmerung, oder dem schwachen Mondlicht bei trübem Wetter, zu vergleichen war. Dieses Licht wurde nach und nach immer heller, je heller es aber wurde, desto schwächer wurde die Gewalt, durch die ich fortgetrieben wurde, dermaßen, dass ich endlich, ohne sonderliche Mühe, zwischen einigen Felsen gleichsam aus einem Wasser frisch und gesund herausgeschwommen kam, die ich mit größtem Erstaunen als eben diejenigen erkannte, zwischen denen ich vor einigen Jahren in die unterirdischen Orte hinuntergestürzt war. Als ich ein wenig nachdachte, wie es doch kommen müsste, dass ich um die letzte ganz langsam fortgetrieben worden, so fand ich, dass solches von der Beschaffenheit des Dunstkreises, der unsere obere Erde umgibt, herrühre, der viel dicker und schwerer ist, als der unterirdische. Denn wenn unser Dunstkreis nicht viel schwerer wäre, so wäre es mir bei meiner Auffahrt ebenso gegangen wie bei meinem Hinunterfallen, und ich hätte vielleicht durch die Luft in die Höhe bis in die Gegend des Mondes versetzt werden können. Jedoch überlasse ich diese Meinung, oder diesen willkürlich angenommenen Satz, einer fernen und reifen Untersuchung der Naturkundler.